Mein Vorstellungsgespräch wurde von einem örtlichen Personalvermittler vereinbart. Erst hatte ich ein Skype-Gespräch mit dem F&E-Manager, gefolgt von einem persönlichen Gespräch in ihrem Büro in Bonn. Ich bekam den Eindruck, dass sie über ihre Bewerber ganz wählerisch sind (technische Fähigkeiten, Teameignung). Sie hatten schon mehrere Bewerber eingeladen, aber noch niemand war angeheuert worden.
Das Skype-Gespräch war das Übliche: wir besprachen meine bisherigen Erfahrungen, Projekte, Erwartungen usw., dann wurde mir ein schneller Überblick über ihre Produkte und das Entwicklungsprozess gegeben. Das Skype-Gespräch war nicht besonders schwierig. Man stellte mir keine technischen Fragen. Nach zwei Tagen bekam ich eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch in ihrem Büro. Ich wurde für den ganzen Tag eingeladen.
Ihr Büro ist schön und im Stadtzentrum neben dem botanischen Garten gelegen. Sie haben eine spektakuläre Aussicht auf das Gebirge, was sehr inspirierend war. Als ich ankam, wurde ich von der Sekretärin empfangen, die Mehrheit des Teams war noch auf dem Weg zum Büro. Zu meiner Überraschung erschien ein anderer Bewerber, und mit uns zusammen wurde das Vorstellungsgespräch an diesem Tag geführt.
Das F&E-Team war ganz klein, ungefähr 8 Leute. Alle sahen entspannt und glücklich aus :) Ich hatte die Möglichkeit, über den Tag mit fast allen zu reden. Das Gespräch begann mit einer informellen Einführung in die Geschichte der Firma, in ihre Produkte, Projekte, Managementpraktiken, Kunden usw. Diese Einführung dauerte ungefähr 1 Stunde. Dann nahmen wir an ihrer täglichen Sitzung teil, in der alle Teammitglieder ihre Fortschritte berichteten. Der andere Bewerber und ich bekamen die Chance, uns vorzustellen. Nach dieser Sitzung redeten wir über ihre Softwareplattform. Später lud der F&E-Manager uns zum Mittagessen mit ein paar anderen Typen vom Team ein. Wir redeten während des Mittagessens über einige nicht arbeitsbezogene Themen (ich bekam jedoch den Eindruck, dass es trotzdem Teil des Vorstellungsgespräches war). Nachdem wir zurückkamen, hatten wir einen technischen Test, der aus zwei Teilen bestand: einem Programmiertest und einer Art Test der grundlegenden Informatik. Erst wurde mir ein PC mit Eclipse gegeben, und ich musste Fehler in dem Code finden, den man mir gab. Die letztere Aufgabe ging um grundlegende Vererbung zwischen Klassen und war auch einfach. Nachdem ich mit dem Programmieren fertig war, besprachen wir das, was ich geschrieben hatte, was hätte besser gemacht werden können, was für andere Muster und Bibliotheken hätte verwendet werden können usw. Die Diskussion war ganz allgemein. Dann wurde ich aufgefordert, mit dem anderen Bewerber zu tauschen (er hatte den Test der grundlegenden Informatik als erstes geschrieben). Nochmal war der Test grundlegend, sie haben Fragen gestellt wie „was ist Polymorphismus“, „was ist ein Modultest“, „was sind eine Sicht, ein Index und ein Primärschlüssel in einer Datenbank“. Es gab jedoch einige schwierige Fragen zu SQL, Hexadezimaldarstellung und einigen selten verwendeten Entwurfsmustern. Ich würde empfehlen, das Wissen über diese Themen vor dem Gespräch aufzufrischen. Ich musste Antworten sofort geben, während die zwei Interviewer einfach nickten als wäre meine Antwort richtig– keine Hinweise wurden gegeben. Ich wusste die Antwort auf einige Fragen nicht, also ich sagte einfach, dass ich nicht wusste. Nachdem ich den Test abgeschlossen hatte, gaben sie mir eine Chance, nach allem vom Test zu fragen. Das war ganz fair. Alles in allem hatte ich eine positive Erfahrung unabhängig davon, dass ich nicht für den Job ausgewählt wurde (sie haben mir Feedback nach zwei Tagen geschickt). Und ich glaube, diese ist die Firma, bei der man arbeiten sollte, wenn man einen Ort sucht, wo es angenehm für viele Jahre gearbeitet werden kann. Sie haben eine entspannte Atmosphäre im Büro und ein internationales Team, viele aufgeschlossene Leute arbeiten für sie da. Ich werde es irgendjemandem empfehlen!